Was ist Computerkunst?

Ursprung der Computerkunst

Der Beginn der Computerkunst hat im Grunde genommen in den 80ern stattgefunden. Die 80er – die Zeit, in der Computer endlich für die breite Masse verfügbar wurden, in der Kunst und Computer zusammen trafen. Das war die Zeit in der auch ich erstmals Kontakt mit Computern hatte. Mein erster Computer war zwar nur ein C64, aber ein eigener Computer. In unserer Straße immerhin wurde aus einem Nachbarkeller heraus eine kleine, vierköpfige, auf IBM-Rechnern basierende Computerfirma groß gezogen. Diese ist schließlich heute in über 50 Ländern vertreten, hat über 600 Mitarbeiter und macht fast 80 Millionen Euro Umsatz… Nun – so groß wie der allgemeine Erfolg von Computern in den letzten vier Jahrzehnten war der Erfolg des Computers in der Kunst mitnichten. Woran liegt das aber? Vermutlich an den besonderen Eigenschaften des Computers und dann im Speziellen an dem besonderen Verhältnis von Kunst und Computern.

Kunst und Computer

Was ist Kunst?

Eine Definition ist schwierig. Ich versuche es mit vier Zitaten 😉

Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen.

Johann Wolfgang von Gothe

Kunst ist eine Linie um deine Gedanken.

Gustav Klimt

Kunst ist nicht alles. Sie handelt nur von Allem.

Gertrude Stein

Kunst ist Anklage, Ausdruck, Leidenschaft!

Günther Grass

Kunst  als Kommunikationsform

Kunst als Kommunikation

Das Hemd

Die Kunst ist heutzutage vor allem eines: Kommunikation zwischen Künstler und Betrachter. Daraus folgt sofort, dass der Künstler mithilfe des von ihm gewählten Schaffensmedium gut kommunizieren können muss, um relevante Kunst zu schaffen. Ein Affe beispielsweise kann Farbe auf eine Leinwand bringen und „abstrakt“ malen (man darf sich dabei sicher fragen, ob und was er abstrahiert). Aber er kann z.B. kein expressionistisches Stillleben erschaffen. Das scheitert schon primär an seiner fehlenden Feinmotorik. Erst in zweiter Linie kann man dem Affen unterstellen, dass er ein reales Objekt nicht expressionistisch abstrahieren könnte. Doch ist hier Vorsicht geboten! Bleiben wir beim Menschen in der Kunst. Kunst als Kommunikationsform.

Der Mensch als kommunizierendes Wesen

Der Mensch kann nicht nicht kommunizieren (Paul Watzlawick). Doch zeichnet sich relevante Kunst (als Kommunikationsform) besonders aus. Dieses Besondere kann etwa besondere Qualität, Neuartigkeit oder eine tiefgründige Botschaft sein. Deshalb muss sich auch die Form, derer sich die Kunst bedient, besonders auszeichnen. Schließlich ist die Kommunikationsform „besonders“ für die durch die Kunst Kommunizierenden, also Künstler und Betrachter. Menschen haben immer schon durch Laute, Töne, Wörter, Sprache, Skulpturen, Symbole und Bilder kommuniziert. Im letzten Jahrhundert kamen die Telekommunikation und bewegte Bilder, Filme, Videos hinzu.

Der Computer in der Kunst

Aber wo ist die besondere Kommunikationsform am Computer? Die Antwort auf diese Frage beantwortet entsprechend auch die Frage, was Computerkunst ist. Ganz allgemein ist es die IT – also die Technik, die Informationstechnik.

Menschen können den Computer nutzen, um durch Software mit einander zu kommunizieren. Was das für Software ist, muss währenddessen in diesem Zusammenhang kaum eingegrenzt werden. Einerseits sind es sicherlich Bereiche wie social media oder auch multi player gaming. Beispiele sind Minecraft, Fortnite, Facebook, Youtube, Whatsapp, Email, SMS, … in denen Menschen direkt oder über das Medium miteinander kommunizieren. Andererseits virtualisiert bzw. kopiert die IT auch alle bisher schon für den Mensch dagewesenen Kommunikationsformen (siehe oben).

Der Misserfolg der Computerkunst

Kunst und Computer

Schlafender Michel

Genau hier liegt somit der Grund für den Misserfolg der Computerkunst. Diese oben beschriebenen durch Computer erschlossenen Kommunikationsformen sind nicht annährend so disruptiv, so umwälzend und neu für die Kunst, wie es hingegen immer wieder verschiedene Formen der IT für andere Bereiche waren und sind (Digitalisierung, Internet, Big Data, künstliche Intelligenz, …). Stattdessen sind die Formen der Kommunikation durch Computer meist eine Wiedervorlage bereits schon durch analoge Medien bekannte Formen. Nichts, was für einen großen Durchbruch geeignet wäre. Ein weiterer Schwachpunkt der Computerkunst ist die fehlende Originalität, lässt sich doch jedes durch sie geschaffene Kunstobjekt 100 prozentig und beliebig oft kopieren.

Meine eigene Computerkunst

Meine eigenen, autodidaktischen Computerkunst-Werke, die hier unter Blitzgedanken eingestellt sind habe ich unterteilt in

was auch zeigt, wieviele Möglichkeiten schon ein Durchschnittskünstler hat, um mit Computern Kunst zu machen.

weißer Blitz auf schwarzem Grund

Meine erste Computergrafik für das Blitzgedanken-Projekt war 2003 der „Blitzgedanke“ bzw. „Gedankenblitz“ damals gemalt mit Gimp und einem Touchpad am Mac. Die Grafik diente als Begrüßungsseite für eine einfache HTML-Seite, die noch immer hier verfügbar ist.

Fazit

Heute hat auch der Computer in der Kunst seinen Platz gefunden. Durch Animation und Rendering lassen sich digitale, realistisch wirkende, teils bewegte Objekte erschaffen.

Kunst und Computer

gerenderte Kugel mit Schachmuster

Es gibt eine Unmenge an animierten Filmen und Filmen mit digital Effects, die klar einen künstlerischen Anspruch haben. Auch ist denkbar, eine virtuelle Welt – wie z.B. eine Minecraft-Welt – als Kunstobjekt zu sehen. Das sind Alleinstellungsmerkmale des Computers in der Kunst. Doch auch die schon bis zum letzten Jahrhundert erschlossenen Kommunikationsformen bieten in der durch den Computer virtualisierten Form Stoff für relevante und vor allem interessante Kunst. Voraussetzung ist, dass der Künstler Zugang zur verwendeten Technik hat oder sich zu eigen macht. Dadurch dass Computer heute vollständig im Alltag integriert sind, ist auch die Computerkunst ein selbstverständlicher Teil der Gesamtspektrums der Kunst. Immer mehr Menschen haben die Möglichkeit, sich durch Computer auszudrücken, und zwar auf sehr niederschwellige Art und Weise. Dadurch werden auch in Zukunft immer mehr besondere Computerkunst-Objekte entstehen. Digitale Kunst ist eine schöne Ergänzung zur analogen Kunstwelt, wenngleich auch oft nur eine Kopie letzterer.

SH, 24.3.2019