Zwischen Wahrheit und Hoffnung – Ein Brief an junge Menschen in Zeiten der Krise, kurz vor dem scheinbaren Ende der Welt.
Wenn du ein intelligenter, junger Mensch bist, kannst du den Prolog überfliegen und direkt zum Brief am Ende dieses Beitrags springen.
Prolog
Die Welt wird von wenigen tausend Superreichen und den Strukturen, die ihnen dienen, in hohem Maß geprägt. Viele ihrer Entscheidungen sind kurzsichtig und rücksichtslos – mit Folgen, die den Fortbestand menschlicher Gesellschaften gefährden.
Unabhängig davon, wie sich die Weltgeschichte politisch weiterentwickelt, steuert die Menschheit auf eine eskalierende Klimakrise zu. Wenn sie nicht wirksam gebremst wird, wird sie massive Zerstörungen, Hunger, Konflikte und sehr viele Tote verursachen – in Größenordnungen von hunderten Millionen, möglicherweise mehr. Vielen Superreichen scheint dieses Risiko gleichgültig zu sein, weil sie glauben, sich schützen zu können oder weil ihre Interessen auf kurzfristigen Profit ausgerichtet sind.
Gleichzeitig breiten sich weltweit autoritäre und faschistische Bewegungen aus. In manchen Ländern geraten Demokratien unter starken Druck; auch lange stabile Systeme werden geschwächt. Parallel nimmt die Zahl autokratischer Regierungen zu. Währenddessen wird Umweltzerstörung zwar öffentlich beklagt, aber nicht konsequent und schnell genug gestoppt.
Ein zentraler gemeinsamer Nenner vieler mächtiger Staaten ist die Fixierung auf Wirtschaftswachstum – auf Kosten von Nachhaltigkeit, Artenvielfalt und Ressourcen. Dieses Wachstum wirkt dabei nicht wie gesunde Entwicklung, sondern wie unkontrollierte Vermehrung: immer mehr Produktion und Konsum, obwohl die ökologischen Grenzen längst überschritten werden.
Zugleich öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter. Viele Menschen erleben Unsicherheit, steigende Lebenshaltungskosten und weniger Chancen, während ein kleiner Teil in immer exzessiverem Luxus lebt, der mit realen Bedürfnissen nichts mehr zu tun hat.
Der Einfluss einzelner Bürgerinnen und Bürger auf politische Entscheidungen nimmt ab. Stattdessen bestimmen Lobbyisten und Konzerninteressen zunehmend die Agenda – besonders in Bereichen wie fossile Energien oder industrielle Landwirtschaft. Dadurch werden notwendige Reformen ausgebremst oder verwässert, ja oft sogar zurück gedreht.
Hinzu kommt: Ein Ende patriarchaler Machtverhältnisse ist nicht absehbar. Die fortbestehende Unterdrückung von Frauen und marginalisierten Gruppen stabilisiert ungerechte Strukturen und verschärft Gewalt, Ausbeutung und politische Rückschritte. In diesem Sinne tragen patriarchale Hierarchien auch dazu bei, dass die Menschheit insgesamt in einem schlechten Zustand bleibt – und dass extrem reiche, mächtige Akteure ihre Herrschaft weiter absichern können.
Das Ende der (menschlichen) Welt?
All dies muss den denkenden, der Ignoranz unfähigen Menschen, fast unabhängig von seinem Alter, mit großer Traurigkeit, bis zur Hoffnungslosigkeit und Depression zurück lassen. Aus diesem Grund habe ich den folgenden Brief an diese Menschen geschrieben …
Ihr Lieben,
vieles von dem, was ihr fühlt, ist rational. Wenn ihr auf eine Welt blickt, in der Vermögen und Macht sich bei wenigen konzentrieren, in der Lobbyinteressen politische Entscheidungen verzerren, in der fossile Geschäftsmodelle trotz besserer Alternativen weiterlaufen, in der Autoritarismus und Menschenfeindlichkeit wieder salonfähig werden und in der patriarchale Gewalt- und Ausbeutungsmuster fortbestehen – dann ist es logisch, dass euch das nicht kaltlässt. Es ist keine Überempfindlichkeit, kein „zu viel Internet“, kein persönliches Versagen. Es ist eine angemessene Reaktion auf eine Lage, die objektiv bedrückend ist.
Und trotzdem ist euer inneres Erleben entscheidend – nicht, weil ihr die Welt „wegdenken“ sollt, nicht, weil ein Ende der Welt so unwahrscheinlich wäre, sondern weil Verzweiflung genau das ist, was zerstörerische Systeme brauchen: Erschöpfte, isolierte, beschämte Menschen. Darum zuerst das Wichtigste: Seid nicht so streng mit euch. Ihr habt diese Krisen nicht verursacht. Ihr seid in sie hineingeboren worden. Ihr tragt keine moralische Pflicht, sie allein zu lösen. Ihr dürft müde sein. Ihr dürft Pausen machen. Ihr dürft Freude haben. Das ist keine Flucht – das ist Überleben.
Ein paar Werkzeuge, die wirklich helfen können:
1. Skaliert eure Verantwortung realistisch. Denkt in „Beitrag“ statt „Lösung“. Ihr müsst nicht die Welt retten, ihr müsst nur euren Teil tun – und auch das in einem Maß, das euch nicht kaputtmacht.
2. Trennt Schuld von Handlungsfähigkeit. Schuld lähmt, Handlungsfähigkeit bewegt. Fragt euch nicht „Warum bin ich nicht perfekt?“, sondern „Was ist der nächste machbare Schritt?“: ein Gespräch, eine Stunde Ehrenamt, eine Spende, eine Wahlentscheidung, ein Projekt, ein Streik, ein Skill.
3. Sucht Verbündete statt Heldentum. Wirkung entsteht in Gruppen: Gewerkschaften, Klimainitiativen, Nachbarschaftshilfen, feministische Netzwerke, lokale Politik. Gemeinschaft ist ein Gegengift gegen Ohnmacht.
4. Pflegt euren inneren Akku strategisch. Schlaf, Bewegung, Natur, Freundschaften, Kreativität – das sind keine Nebensachen. Sie sind Infrastruktur für langfristigen Widerstand. Aktivismus ohne Regeneration endet oft in Burnout.
5. Übt „radikalen Realismus“. Ja, die Lage ist ernst. Aber Geschichte ist offen. Fortschritt entsteht selten aus Hoffnung als Gefühl – sondern aus Hoffnung als Praxis: handeln, obwohl man zweifelt.
6. Begrenzt Doom-Input. Informiert bleiben, ja – aber dosiert. Setzt Zeiten, kuratiert Quellen, entfolgt dem, was euch dauernd zerreibt. Mentale Gesundheit ist Teil eurer politischen Handlungsfähigkeit.
Und wenn euch die Traurigkeit überrollt: Das ist kein Beweis, dass ihr „zu schwach“ seid, sondern dass ihr menschlich seid. Bitte sucht euch Unterstützung – Freund:innen, Beratungsstellen, Therapie, Gruppen. Das ist kein Rückzug aus dem Kampf, sondern eine Form, euch selbst zu schützen.
Ihr seid nicht allein. Und ihr seid nicht nur Zuschauer:innen einer Katastrophe, sondern auch Träger:innen von Würde, Solidarität und Vorstellungskraft. Das „Gute“ zu wählen ist nicht naiv – es ist eine Entscheidung, die Systeme verändert, weil sie Menschen verbindet.
Seid sanft zu euch. Bleibt miteinander. Und macht weiter – in eurem Tempo.
In Verbundenheit.
Sven
mit kuratierter KI Unterstützung, 3. Februar 2026

