Wo Licht ist, ist auch Schatten.

Goethe

Wo Licht ist, ist auch Schatten.

Dieses geflügelte Wort geht auf Goethe zurück, der seinen Götz von Berlichingen sagen lässt: „Wo viel Licht ist, ist starker Schatten.“ (Erster Akt – Jagsthausen. Götzens Burg/Götz). Im Original von Goethe ist dann auch viel klarer, warum es geht. Das Prinzip: Gegensätze bedingen einander. Das ist in der Natur so, aber auch zwischen Menschen.

Die Natur

In der Natur zum Beispiel ist das frapierendste Schauspiel, das dieses Prinzip zeigt, tatsächlich das Zusammenspiel von Licht und Schatten. Je heller das Licht ist, desto stärker ist der entstehende Schatten.

Ein Exkurs: Beugung

Und das Beispiel mit Licht geht noch weiter. Je kleiner ein Objekt ist, durch das das Licht fällt, desto „größer“ ist das dahinter entstehende Muster, desto stärker wird das Licht gebeugt. Fällt das Licht zum Beispiel durch ein kleines dreieckiges Loch, das nicht nur klein, sondern sehr klein ist, so entsteht etwa dieses Beugungsbild:

Beugungsbild eines Dreiecks

Beispiele für das Grundprinzip „Wo Licht ist, ist auch Schatten.“

Andere Beispiele für das Zusammenspiel von „Licht“ und „Schatten“ sind:

  • Wer viel leistet, hat es schwerer sich zu entspannen.
  • Wer viel mit dem Kopf macht, ist körperlich träge.
  • „Streber“ stehen sozial oft im Abseits.
  • Wer lange die Sonne genießt, dem droht später Hautkrebs.
  • Wenn einer ein Tor schießt, haben 10 andere keins geschossen, und einer hat es nicht gehalten.
  • Wer schön sein will, muss leiden.
  • Wenn jemand sehr schön, eloquent o.ä. ist, zieht er auch viel Neid auf sich.
  • Die lebenbringende Geburt birgt doch die schlimmsten Schmerzen, die ein Mensch in einem normalen Leben erdulden muss. (Ein Mann kann es nur nicht.)
  • Unser industrieller Wohlstand ist auf Kosten der Armut in anderen Ländern.
  • 8 Männer besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung (Link: Oxfam) – Oder: Wo viel Reichtum ist, ist auch viel Armut.
  • ….

Die Liste ist eigentlich endlos, und die Beispiele sind eher zufällig.

Die Reichweite des Prinzips

Dennoch ist das Ganze noch viel Grundsätzlicher. Es zieht Kreise bis ins Religiöse und Philosophische. Auch das Gute und das Böse lassen sich nicht trennen. Es gibt das eine nicht ohne das andere. Sogesehen macht eigentlich die Frage: „Woher kommt das Böse?“ keinen Sinn, da es ohne das Böse auch das Gute nicht gäbe. Aber diese Wahrheit ist für jeden Menschen immer wieder zynisch angesichts der täglichen Nachrichten in den Medien. Letzteres dann hat auch wieder etwas vom „Licht“/“Schatten“-Prinzip. Denn dadurch, dass ich mich über besonders viele und dunkle „Schatten“-Beispiele im Tagesgeschehen informiere, wirkt mein eigenes „Licht“ umso heller, vielleicht auch erst im Alltag erträglich.

Zum Schluss

Kein Happy End im Film, ohne dass es vorher zunächst schlecht aussah. Einen Film, in dem nur moralisch Gutes passiert, will niemand sehen. Und auch ein Leben, in dem alles leicht, schön und bekömmlich ist, kann niemand ertragen.

philosophische (Blitz-)Gedanken, SH 25.2.2019

eigene Photos mit dem iPhone, SH 24.2.2019